Franka Skrabak – Blick ins Designer-Nähkästchen

Lesezeit: 5:00 Min.

Acht💡☝🏽, mit denen Franka ihren Weg ins Fashion-Business fand

Sachsen-Anhalt, Halle, eigenes ModeLabel – mit Franka Skrabak treffen wir eine fokussierte Modelabel-Betreiberin, die schon seit der Schulzeit zielstrebig ihrer inneren Stimme folgt. In ihren Zwanzigern nutzt sie ihre Abenteuerlust und ihren Mut um den Weg in die Welt der Mode zu finden und dort schließlich ihr eigenes Business aufzubauen. Mit Erfolg…

Nichts ist schlimmer, als sich den großen Wunsch nie zu erfüllen.

Tragbare Designs, traditionelle Handwerkskunst, green fashion made in Germany, Weltenbummlerin – Das ist die Welt von Franka vom Hallenser Label Skrabak. Graue, neblige Tage laden doch direkt zu einem gemütlichen Frühstück am Morgen ein. „Für mich ist das dann der fünfte Kaffee“, lacht Franka. Für sie kann es gar nicht zu früh am Morgen sein bei der guten Laune. Morgenmuffel? Fehlanzeige. Erst vor ein paar Minuten öffnete das schöne Café am Johannapark und Franka hat schon eine Runde im Atelier hinter sich. So ist das mittlerweile als selbstständige Designerin. Aber für einen grünen Tee, einen Besuch im schönen Leipzig und lebhafte Erinnerungen an die letzten Jahre ist immer Zeit. Gemeinsam lernen wir die Stadt ein kleines bisschen kennen und ich entführe sie in eins meiner liebsten Cafés. Die gebürtige Stuttgarterin (es ist unschwer zu überhören) zog es 2005 nach Halle. „In Halle ist mein Schwäbisch auch nicht aufgefallen“. Zum Tag der offenen Tür an der Burg Giebichenstein, der Kunsthochschule in Halle fiel die Entscheidung für Franka, als sie die Modenschau der damaligen Studenten sah. „Mode ist die richtige Richtung“. Generell war für Franka schnell klar: Ihr weiterer Weg muss kreativ sein und eine Funktion haben. Bis zum eigenen Label war es noch ein weiter Weg – kleine Schritte in die richtige Richtung und eine positive Lebenseinstellung erfüllen Frankas Traum. „Erstmal offen sein und `Ja` sagen“.

#1: Du kannst nicht der zweite da Vinci sein. Mach was Eigenes!

Franka wusste schon im Abi: Ich kann nicht Bildhauerei studieren und ein zweiter da Vinci werden. Den gibt es nämlich schon. Stattdessen zog es sie zur weicheren Kunst hin. Mit Design konnte Franka gleichzeitig Ästhetik und auch ihren funktionellen Anspruch verbinden. Mode, das ist es! Mit dieser Entscheidung bewarb sie sich an zwei Kunsthochschulen. Doch an der Kunsthochschule in Weißensee wurde ihr schnell klar: „Um Gottes Willen! Was ist das denn?“. Kopf nicht hängen lassen, weitermachen! Von Berlin ging es weiter nach Ulm zu einer 9-monatigen Schneiderei-Ausbildung am Theater – mit einem ganz klaren Ziel: Für die Aufnahme zum Studium in Halle eine fertige Mappe anzulegen und sich mit einem vollständigen Portfolio zur Prüfung zu bewerben. Die Zusage der Kunsthochschule Burg Gibiechenstein in Halle kommt 2006!

 

 

#2: Von Indien durch ganz Europa: Reisen inspiriert dich!

Diese Zusage war genau das, was Franka wollte. Dennoch verschob sie das Studium um ein Jahr. „Wann wird man jemals wieder ein Jahr lang Zeit zum Reisen haben?“, dachte die junge Abiturientin. Nichts wie auf! Das war ihr Wunsch. „Ich will nicht zu mir sagen: Hätte ich das damals nur mal gemacht“. Stattdessen sagt sie heute: „Gut, dass ich dieses eine Jahr noch gewartet und die Zeit für mich genutzt habe.“ Sie reiste einmal nach Indien und zurück durch Europa. Mit dem Motorrad die Landschaft erkunden, sich frei fühlen und gleichzeitig neue Stoffe und Themen für spätere Kollektionen sammeln. Und genau das prägt Frankas Label inzwischen: Unterschiedliche Kulturen, vereinte Kulturgüter, traditionelles Handwerk, Vielfalt und eine Portion Extravaganz.

 

#3: Ganz wichtig: innerlich Ankommen und achtsam im Alltag bleiben.

„Ich kam nach der langen Auszeit in Halle an und fand es großartig“. Manche mögen es Spießbürgertum nennen, für Franka war es das Gefühl Anzukommen. Eine eigene schöne Wohnung, nette Nachbarn, ein Studium, das sie fördert und Spielraum lässt. Ein kreatives Umfeld, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Der Grundstein für mehr war gelegt.

#4: Entwickle dich weiter: such dir einen Mentor, wenn du nicht mehr weiter weißt!

So sehr Franka den neuen Spielraum an der Hochschule liebt, umso mehr vermisst sie den roten Faden in ihrem Studiengang. „Wenn du nicht nach einer Hilfestellung fragst, kriegst du auch keine“. Sie sucht: Einen neuen Antrieb, neue Begeisterung, praxisbezogenes Arbeiten und neue Inspiration. Abbrechen? Aufgeben? Auf keinen Fall. Für Franka heißt es: Niemals zurück. Sie musste einfach einen anderen Weg finden. „Weiter nach vorn muss man gehen. Zurück geh ich nicht mehr“. Sie meldet sich für ein Erasmus-Semester in Instanbul an. Dort  sucht sie Schneidermeister und Designer auf, die sich ihr als Mentoren annehmen und sie sogar als Assistentin beschäftigen. Nach 3 Jahren Studium, ist Franka so weit, ihr eigenes Modeverständnis umzusetzen und sich von der gelernten Theorie zu lösen. Lass sie laufen, sie will ihre ersten Schritte gehen! Nach 14 Monaten kehrt sie mit neuem Wissen und noch mehr Energie zurück nach Halle. Bachelor, Master, die erste eigene Kollektion zum Studienabschluss, Bewerbungen – alles läuft nach Plan. Aber ist das auch noch Frankas Vorstellung von ihrem Leben oder nur der vorgeschriebene Plan?

 

 

#5: Die Realität der Selbstständigkeit ist oft anders als dein Wunschbild. Was hilft: Struktur und Investitionen.

Eigentlich soll ihr Alltag so aussehen: Messen besuchen, Boutiquen als neue Vertriebswege akquirieren, einen eigenen Showroom einrichten, neue Kollektionen entwerfen, ihre eigene Chefin sein und gleichzeitig im Ladengeschäft verkaufen – so gesehen ein disziplinierter und engagierter Plan. Doch für all das muss zu allererst ein Startkapital zur Verfügung stehen und ein Businessplan zur Seite liegen. Gar nicht so leicht, wenn man das noch nie gemacht hat! Gründerzuschuss, Beratungen bei Gründer-Coaches, Termine bei der Bank – Franka nahm jede Hilfe an, die sie bekommen konnte. Doch um möglichst schnell ins Mode-Business einsteigen zu können musste sie zu allererst einmal in zwei Kollektionen investieren. Sie ging finanziell und kräftemäßig in Vorleistung, um später davon profitieren zu können. Die Familie sprang ein und half ihr mit einem Startkapital in die Selbstständigkeit.

#6: Workload und Balance: Organisiere deine Woche und setze dir feste Zeiten!

Als Selbstständige kann man immer arbeiten. Ohne Pause. Bis spät in die Nacht. Eine richtige Auszeit gibt es gar nicht. Doch montags bleibt in Franka Atelier das Licht aus. „Der Montag ist mein ladenfreier Tag. Dann kümmere ich mich um die Buchhaltung und den ganzen Kram. Denn, wenn der Laden offen ist, möchte ich ja für meine Kundschaft da sein“. Dienstags und donnerstags schließt der Skrabak-Laden allerdings schon 19 Uhr – aus einem besonderen Grund, denn Franka nutzt ihren Abend für sich und trainiert sich im Fitnessstudio den Kopf frei. „Das tut mir sehr gut. Ich merke, wie ich durchatme und alles entspannter wird“.

 

#7: Suche dir repräsentative Arbeitsräume! Du brauchst ein Schaufenster.

Von zuhause aus arbeiten? Businesstermine im heimischen Wohnzimmer? Atelier unter dem Dach? Eine Kollektion ohne Kunden? Undenkbar für Franka. Der alltägliche Kontakt zu den Kunden ist unerlässlich, denn schließlich sollen ihre eleganten Designs probiert, getragen und überhaupt zu dem wachsen, was sie schließlich geworden sind. „Du brauchst einen Ort zum Arbeiten, wo die Leute sehen, was du machst“.

#8: Setze dir immer neue Ziele und definiere Wünsche für dich!

„Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch“. Als Franka das sagt, muss ich schmunzeln. „Ich will immer alles sofort“. Aber ein großer Traum bleibt nach all der spannenden Zeit noch offen für Franka. Mutig, unerschrocken, fokussiert, freiheitsliebend, leidenschaftlich bei ihrer Arbeit und lebensfroh lerne ich sie kennen. Was passt da besser als ein Abenteuer? Von Indien aus über den Landweg zurückzureisen: Das wünscht sie sich. Aber ich bin mir sicher: Franka, ist nicht der Typ Mensch, der sich in ein paar Jahren sagt „Hätte ich damals nur…“. Sie wird es machen… „Jetzt ist noch nicht die Zeit dafür. Aber ich werde es irgendwann machen“.

Text: Anne Rosali, Marcell Heinrich / Fotos 1,2,4,7,8,9,10,11-14,16: Anne Rosali, Fotos 3,5,6,15: Archiv Skrabak

 

Frankas HERO-Botschaft für Mode-Gründer:

Du erreichst alles Schritt für Schritt. Kleine Schritte sind die sicheren Schritte. Sag „Ja“ zu neuen Einflüssen und Wegen. Geh niemals zurück, sondern immer nur nach vorn. Selbst, wenn du feststellst, dass dir etwas nicht so gut gefällt, lernst du dabei noch, dass das nicht dein Weg ist. Gib nicht auf.

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