Morris Lesky - Mit 24 finanziell unabhängig sein

Lesezeit: 3:30 Min.

Ich wollte eigentlich immer nur Musik machen

Erinnerst du dich daran als du noch klein warst und deine Eltern dir immer wieder wichtige Grundregeln eingebläut haben? Wasch dir die Hände vor dem Essen, halte deine Hand vor den Mund beim Nießen, sei höflich gegenüber älteren Menschen, gib dein ganzes Taschengeld nicht mit einmal aus, schau nicht zu viel Fernsehen und nur mit einem guten Schulabschluss kannst du etwas aus dir machen.

Dann kannst du Feuerwehrmann, Tierärztin, Lehrerin oder Architekt werden. Aber was passiert, wenn genau das deine größte Hürde wird? Das ist mehr als nur jugendlicher Trotz: „Ich habe einfach keinen Bock auf Schule“, sondern eher pure Unterforderung, Langeweile, Leichtsinn und der Gedanke an etwas Größeres. „Ich wollte eigentlich immer nur Musik machen“.

Suspendiert von der Schule

Phil Morris Lesky ist 18 Jahre, gebürtiger Leipziger, Rapper und während er diesen Satz sagt, strahlt er eine unglaubliche Stärke aus. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Während Gleichaltrige wahrscheinlich noch im Wald Verstecken gespielt haben, verbrachte Phil seine Nachmittage im Jugendhaus in einer Gruppe für verhaltensauffällige Teenager. „Moment mal, sagtest du Jugendhaus?“ – richtig. Bad boy – und das nicht ohne Grund. Mittelfinger an die Lehrer. Eingeschlafen im Unterricht. Unaufmerksam. Prügeleien. Von drei Gymnasien geflogen. Suspendiert von der Schule. Bis das Jugendamt aufmerksam wird. Da hört dann der Spaß auch auf. Maßnahme: Jugendhaus. „Dort habe ich dann angefangen gedichtmäßig Raptexte zu schreiben. Ohne Beat“. Sein erster Rap-Song, den er aufgenommen hat – alle Deutschlehrer können aufatmen: Eine Gedicht-Interpretation von Reinhard Mey auf den Beat von Bushido.

Einer, der an dich glaubt

Zufälle gehören zum Leben dazu. Mit 12 Jahren stieß Phil im Jugendhaus dank Horst zum ersten Mal auf Marcell, damals noch Streetworker, mit dem er musikalisch voll auf einer Wellenlänge lag. Bring the beat in! Da reicht nur einer, der an dich glaubt und der dir zeigt, wie es geht. Wie produzierst du einen Beat? Wie nimmst du richtig auf? Wie wirst du das Lispeln los? (Denn ehrlich: „Lispeln geht als Rapper eben nicht“.) Wie schreibst du Texte auf einen Takt? – mit dem Hintergrund, einer kleinen Rap-Crew und Auspowern im Kletterwald geht es Phil schon besser. „Dann hat sich vieles einfach von alleine gelöst. Da gibt’s nichts zum Rumdoktern, was sehr viele denken“.

 

 

Trotzdem erkennt Phil immer wieder für sich: Dieses Gefangen sein im Schulsystem bringt mir nichts. Das, was ich lernen will, kriege ich hier nicht. Von der Arbeitsverweigerung bis zur Ordnungsstrafe über versäumte Schulstunden. Tschüss Hauptschule, ich mach das Ding ohne Schulabschluss. „Wie jetzt? Du hast keinen Schulabschluss?“ – Abgangszeugnis nennt man das. Letztes richtiges Zeugnis: Grundschule und einen IQ von 157. Eine Frage, die sich jeder stellen wird: „Wenn du nicht in der Schule warst, was hast du stattdessen gemacht?“. „Ganz viel Musik. Gelesen und gelernt, was manche bis heute nicht wissen: ‚Was mache ich mit meiner Zeit, wenn mir niemand Druck macht?’“. Selbstdisziplin.

Der Entschluss

Anstatt zu zocken und zu chillen, arbeitet Phil an seinem großen Traum. „Ich habe meinen Eltern seit dem ich 14 bin, gesagt: Ey, ich will Musik machen“. Mit 16 kam dann der Entschluss, nach einem Jugend-Coaching mit Marcell und Michael: „Ob ich den Schulabschluss hab oder nicht, spielt für mein Leben eigentlich keine Rolle. Ich werde Musiker sein. Der Schulabschluss ist nur der Bonus“. So soll es sein. Ein starker Traum, aber was passiert, wenn Angst und Unsicherheit dazwischenkommen? „Davon habe ich mich schnell gelöst. Ich hatte starke Vorbilder. Unternehmer. Große Männer, die aber trotzdem im Vergleich zu mir keine besseren Menschen sind. Theoretisch ist es mir auch möglich alles zu erreichen, was die auch wollen“. So langsam ergibt sich ein Bild von Phil. Wenn er es wollen würde, könnte er jeden Abschluss mit der Auszeichnung „Sehr gut“ meistern. Wenn er es wollen würde, könnte er jedes Studium damit beginnen. Wenn er es wollen würde, könnte er alles jederzeit nachholen. Aber das ist nicht Phils Lebensentwurf. Das ist nicht das, was er will. Bei dem Gedanken den Abschluss dann doch nachzuholen, lacht er nur. Sein Leben ist die Musik. Phil Morris Lesky, willkommen auf der Bühne.

Wer du bist, wie du auftrittst und dass du deinen Job gut machst

Absolute Freiheit. Losgelöst von der Familie zu sein – vielleicht nicht immer freiwillig in Rückblick auf ziemlich beschissene Zeiten. Selbstbestimmtes Handeln. Seinem Traum näherkommen. Aber zum Erwachsenwerden gehören auch die unschönen Dinge dazu: Miete bezahlen. Konten verwalten. An Rücklagen denken. Investieren. Bis Phil ganz allein nur von dem Verkauf seiner Alben leben kann, fehlt noch ein Stück. Da helfen dann Auftragsarbeiten für die HERO SOCIETY, Produktionsarbeiten, Filmrollen als Live-Musiker im MDR und Bühnenbau-Jobs weiter. Alles im Bereich der Musik – und es interessiert keinen, was du früher gemacht hast. Welchen Schulabschluss du hast, es geht lediglich darum, wer du bist, wie du auftrittst und, dass du deinen Job gut machst. Am 20.5. kam der große Abend: Phil Morris Leskys erster Auftritt als Solo-Künstler im „Blauen Salon“. Auf der Bühne stehen, abliefern, alles andere ausblenden und einfach nur rappen. „Ich mach dann den Kanye“. Derzeit arbeitet er an seinem Debütalbum. Es wird von ihm komplett in Eigenregie geschrieben und produziert. Phil is on track. Die HERO SOCIETY bleibt an seiner Seite. Wie es weitergeht? „Was ist dein Plan fürs Leben?“ „Ganz einfach: Mit 24 finanziell unabhängig zu sein“. Hand drauf, Phil! Wir sehen uns in 5 Jahren!

Text & Fotos: Anne Rosali

 

Phils HERO-Botschaft für euch:

Löst euch davon, was eure Eltern euch vorschreiben. Macht einfach. Fragt euch: Was ist das, was ihr den ganzen Tag lang machen würdet, wenn Schule und Geld keine Rollen spielen? Dann überlegt, wie ihr das für eure Zukunft umsetzen könnt. Probiert euch aus. Macht das, was euch Spaß macht. Sucht euch einen Mentor, der erfahren ist in dem, was ihr machen wollt. Sonst ist auch gut: Sport und Lesen.

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